Günter Rätz hat den DEFA-Animationsfilm geprägt wie nur wenige andere. Das Trickfilmstudio Dresden war von der Gründung 1955 bis zum beschämenden Niedergang nach 1990 die künstlerische Heimat des Regisseurs. Sein fast 50 Titel umfassendes Œuvre reicht vom märchenhaften Erstling TEDDY BRUMM über die Drahtfiguren-Episoden »Filopat & Patafil«, die Satire LEBEN UND THATEN DES BERÜHMTEN RITTERS SCHNAPPHAHNSKI und die einfühlsame Mischanimation ANGST bis zum abendfüllenden Puppentrickfilm DIE SPUR FÜHRT ZUM SILBERSEE. Vielfältig waren seine Themen und ästhetischen Ausdrucksmittel. Seine nie versiegende Neugier und Experimentierfreude führten zu neuen Materialien, Animationstechniken und Klangerlebnissen, die vor allem Kinder begeisterten.
Der Interviewband zeichnet den Lebens- und Berufsweg von Günter Rätz von den ersten Erfahrungen als Puppenspieler im zerbombten Nachkriegsberlin bis zum kreativen Ruhestand nach. Er ist das Resultat zahlreicher Gespräche, die der Filmhistoriker Volker Petzold zwischen 2017 und 2021 mit dem Regisseur geführt hat. Umfangreiche Archivrecherchen ermöglichten es dabei, dessen Erinnerungen mit ihm bisher unbekannten Dokumenten der Leitungsebenen zu konfrontieren und damit Abläufe im Trickfilmstudio bei der Entwicklung von Filmstoffen nachzuvollziehen. Besonders aufschlussreich auch für die kulturpolitischen Konflikte der DDR sind dabei die Eingriffe durch obere Instanzen, die zu Produktionsabbruch, Verstümmelung oder Verbot von Filmen wie MISTER TWISTER und DER MEISTER BOXT führten.

