Das Kino reflektiert seit jeher das Leben in Gemeinschaften: Neben klassischen Familienkonstellationen, ihrem Zerfall und ihrer Wiedergeburt finden sich familiäre Wohngemeinschaften und queere Lebensformen. Familien in diesem Sinne fungieren häufig auch als Arbeits- und Produktionsgemeinschaften, die Filme und Kino hervorbringen und dabei Film und Leben als gemeinschaftliche Praxis miteinander verbinden. Entwürfe familiärer Lebensgemeinschaften erscheinen in Amateurfilmen und Home Movies sowie in deren künstlerischer Bearbeitung und Aneignung in Found-Footage-Filmen. Anhand von Familiengeschichte(n) lassen sich zudem (trans)nationale Familienkinematographien ausmachen.
In dem Band werden filmische Familien-Bilder als historisch gewachsene Zusammenhänge von Kultur und Gesellschaft wie auch als Konstruktion spezifischer Ideologien, Ikonologien und Denkmuster untersucht. Die audiovisuelle Repräsentation von Wahlverwandtschaften und alternativen Formen des Zusammenlebens werden als Modelle einer anderen Vergemeinschaftung vorgestellt. Und schließlich wird diskutiert, inwieweit der Variantenreichtum filmischer Familien-Bilder dazu beigetragen hat, dominante Modelle der Kleinfamilie und der biologischen Verwandtschaft zu reflektieren, zu kritisieren und infrage zu stellen.
Mit Beiträgen von Daniela Berghahn, Annette Brauerhoch, Babylonia Constantinides, Florian Flömer, Theodor Frisorger, Janna Heine, Bettina Henzler, Julian Jochmaring, Michael Karrer, Jonathan Klamer, Sandra Ladwig, Winfried Pauleit, Angela Rabing, Michaela Scharf.

