Kapitalistischer (Sur)realismus

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Markus Metz / Georg Seeßlen
Kapitalistischer (Sur)realismus
Neoliberalismus als Ästhetik
Kritik & Theorie 1

ca. 200 Seiten, ca. 20 Fotos
Paperback, 10,5 x 14,8 cm
Artikelnummer 978-3-86505-735-8
Erscheint im November 2017

Der Neoliberalismus – eine Erscheinungsform, ein Transformationsstadium, eine Ableitung des Kapitalismus – hat unsere Welt entscheidend verändert, nicht erst seit gestern. Für die meisten von uns zum Nachteil, zum Vorteil für wenige. Trotzdem bleibt der Widerstand gegen immer weitere, immer dreistere Aneignungen und Ausgrenzungen überschaubar und für die Nutznießer des Wandels handhabbar. Warum das so ist? Darauf gibt es nicht nur sehr viele verschiedene Antworten, sondern auch verschiedene Felder, auf denen sie zu finden sind. Das Management der Angst; die Erzeugung von Blendungen und Verblödungen; das Wirken der Konsensmaschinen; Neoliberalismus als Ideologie und nicht zuletzt sogar als »Religion«. Im Zweifelsfall und nicht zu knapp: Gewalt. Wir versuchen in diesem Buch ein weiteres Feld dem kritischen Diskurs zugänglich zu machen: die Ästhetik.

Neoliberalismus, so die Grundthese des Buches, die es zu vertiefen, zu relativieren und zu verknüpfen gilt, drückt sich nicht nur in Ästhetik aus, Neoliberalismus verwirklicht sich in hohem Maße als Ästhetik. Neoliberalismus wirkt noch mehr denn als Idee und Dogma als Design, auch und gerade dort, wo es um das Destruktive, das »Hässliche«, das Unmenschliche geht. Wir denken und glauben Neoliberalismus nicht nur, wir sind Neoliberalismus, denn eben das gehört zu dieser Ästhetik, dass die Beziehungen von Abbildung, Abgebildetem und Abbildendem neu – marktförmig, hegemonial und korrupt – geregelt werden.

Die Ästhetik des Neoliberalismus ist eine Grundlage seiner sozialen Wirksamkeit. Man muss ihn weder verstehen noch glauben, man muss ihn fühlen und erleben, wie ein »Gesamtkunstwerk«, in das man hineingesogen wurde. Man muss nicht mit Ideen und Formeln, nicht mit Personen und Projekten einverstanden sein, wenn es genügt, mit Formen und Mythen, mit Objekten und Fantasien einverstanden zu sein. Es ist, was ich euch zu bieten habe, sagt der Neoliberalismus, weder gut noch wahr noch schön. Aber es fühlt sich verdammt gut an. Und was anderes gibt es sowieso nicht!

Die Ästhetik des Neoliberalismus ist für seine Opfer überlebenswichtig geworden. Seine große Drohung an die Unbotmäßigen oder nur Verzweifelten: Ich kann euch nicht nur Leben und Würde, nicht nur Zukunft und Identität nehmen, ich kann euch das Bild nehmen, ich kann den Fluss unterbrechen, der euch täglich mit meinen Mini- und Maxi-Ästhetiken versorgt. Sich außerhalb der »Glaubensgemeinschaft« und außerhalb der vermeintlichen »Gewinngemeinschaft« des Neoliberalismus zu stellen, ist das eine, selbst die Erzählgemeinschaft lässt sich aufkündigen. Aber sich außerhalb der Ästhetik des Neoliberalismus stellen? Wo wäre man dann?
Unsere Antwort ist zugleich einfach und schwierig: im Widerstand.

Die Autoren

  • Markus Metz, geboren 1958, Studium der Publizistik, Politik und Theaterwissenschaft an der FU Berlin, arbeitet als freier Journalist und Autor vorwiegend für den Hörfunk mit den Schwerpunkten Populäre Kultur sowie Mythen, Risiken und Nebenwirkungen des Informationszeitalters. Lebt in München.
  • Georg Seeßlen, geboren 1948, Publizist. Texte über Film, Kultur und Politik für Die Zeit, der Freitag, Der Spiegel, taz, konkret, Jungle World, epd Film u.v.a. Zahlreiche Bücher zum Film und zur populären Kultur, u.a.: »Martin Scorsese« (Reihe film: 6); »Quentin Tarantino gegen die Nazis. Alles über INGLOURIOUS BASTERDS«; »Blödmaschinen. Die Fabrikation der Stupidität« (zusammen mit Markus Metz); »Tintin, und wie er die Welt sah. Fast alles über Tim, Struppi, Mühlenhof & den Rest des Universums«; »Sex-Fantasien in der Hightech-Welt« (3 Bände) und »Das zweite Leben des ›Dritten Reichs‹. (Post)nazismus und populäre Kultur« (3 Bände).

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